Runde 4

17.12.2017

Königsjäger 1: Gut gespielt und doch verloren (Veit Godoj)

Eigentlich kann man als Team nicht knapper als 3,5:4,5 verlieren. Dennoch ist uns dieses „Kunststück“ in dieser vierten BMM-Runde gelungen, wie ich finde: Gegen die Laskeraner gingen wir gehandicapt ins Auswärtsmatch, weil bei uns Jonas Kreutz krankheitsbedingt am Vortag kurzfristig absagen musste und wir leider ein Brett frei lassen mussten.
Hinzu kam, dass wir erneut nicht in Bestbesetzung antreten konnten und nur über ein Drittel unserer normalen Jonas-Energie verfügen konnten. Aber auch unser Gegner musste aufrücken und auf zwei Ersatzspieler zurückgreifen.
Nach DWZ waren wir zwar leichter Favorit in diesem Match, aber die derzeitigen DWZ-Zahlen einiger Laskeraner spiegeln meines Erachtens bei weitem nicht deren schachliche Erfahrung und Spielstärke wider. Leider konnte der kampflose Rückstand im Matchverlauf zunächst nicht ausgeglichen werden. Eine Serie von Remispartien von Pascal, Brigitte und Veit brachte den 1,5:2,5-Zwischenstand. Hierbei haben wir wohl unsere Chancen nicht ganz optimal ausgenutzt, aber hinterher ist man meistens schlauer als zuvor.

Nach längerem Kampf remisierte dann auch Jakob gegen den starken FM Brustkern. Jonas Nohr hatte gegen Werner Püschel Raumvorteil erzielen können und im Mittelspiel ein Remisangebot abgelehnt. Leider konnte er seine vorteilhafte Stellung nicht weiter verbessern, auch hier schließlich Remis.

Die aufregendste Partie wurde an Brett drei zwischen Jörn Florian und Sebastian Müller gespielt. Der Laskeraner setzte voll auf Königsangriff und opferte hierfür einen Springer. Die entstandene kritische Stellung konnte Jörn Florian in gegnerischer Zeitnot erfolgreich verteidigen und damit den ersehnten 3,5:3,5 -Ausgleich aus unserer Sicht erzielen. Im Analyseraum war anschließend zu hören, der Laskeraner habe bei optimalem Spiel einen Traumsieg drin gehabt und somit einen vollen Punkt verpasst. Ich kann das nicht beurteilen, finde aber, dass Jörn Florian durch seine starke Verteidigung diesen Punkt durchaus verdient hat.
Ach ja, 3,5:3,5, da war doch was? Unser inzwischen obligatorischer Zwischenstand. Und in der letzten laufenden Partie zwischen SF Miowitz und Fabian Schmidt an Acht hatten wir erneut den ebenfalls obligatorischen Stellungsnachteil, diesmal in Form eines Minusbauern, der sich im Endspiel sogar in eine Minusfigur verwandelt hatte. Allerdings wurde es in der fünften Spielstunde mehr als fraglich, ob diese Mehrfigur für den Laskeraner zum Gewinn reichen würde, denn es war ein Damenendspiel entstanden, in welchem der Laskeraner ansonsten noch seinen Läufer und ein letztes Bäuerlein hatte, gegen Fabians Dame und zwei defensive Bauern, die dem gegnerischen Bauern gegenüber standen. Fabian wehrte lange jeden Gewinnversuch von Miowitz ab, geriet aber dabei in heftige Zeitnot. Gerade als in den Augen „unserer“ Kibitze das Remis in Reichweite war, überschritt Fabian – wohl ermüdet vom langen Kampf – die Bedenkzeit. Ob die Stellung objektiv überhaupt noch gewinnbar war? Man könnte ja mal das KI-Programm AlphaZero darauf ansetzen, das kürzlich dem herkömmlichen Stockfish-Schachprogramm das Fürchten lehrte. In jedem Fall hat Fabian bravourös für sein Team gekämpft.
Dieser Partieausgang bedeutete einen unter dem Strich etwas schmeichelhaften 4,5:3,5-Heimsieg für die Laskeraner, die diese Punkte im Abstiegskampf dringend gebrauchen können. Für uns ist diese erneute 3,5:4,5-Niederlage besonders bitter, weil wir dem Gegner insgesamt gut Paroli geboten haben. Dieses Match auf Augenhöhe hatte meiner Meinung nach eigentlich keinen Sieger verdient.

Das unser Team noch „einige Luft nach oben“ hat, werden wir hoffentlich schon in der nächsten Runde zeigen: Es wird Zeit, den unguten Trend endgültig vergessen zu machen. Hoffentlich können wir dann auch mal wieder „mit voller Kapelle“ antreten!!

Königsjäger 2: Der Knoten ist geplatzt (Sven Schüle)

Nach drei Niederlagen in Folge stand heute das wichtige Auswärtsspiel beim ebenfalls punktlosen Mitkonkurrenten von der SG Rotation Turbine in Adlershof an. In guter Aufstellung und mit großer Motivation setzten wir uns an die Bretter, nachdem ich als Mannschaftsleiter in einer Kurzansprache darauf hingewiesen hatte, daß wir ruhig den Gegnern Gelegenheit geben sollten, ihre Fehler zu machen.

Bereits nach wenigen Minuten paßte sich mein Gegner (der meine Worte gar nicht gehört haben konnte) unserer Strategie an und stellte im 5. Zug eine Leichtfigur ein (Da4+ gewinnt ungedeckten Lb4, der besser vorher auf c3 getauscht werden sollte). Es folgte eine meiner längsten „kampflosen Partien“, denn mit einer Minusfigur ist man natürlich praktisch chancenlos, nach und nach tauschte ich erst die Damen und danach immer mehr Figuren ab. Im Endspiel ließ ich einmal etwas zu viel Gegenspiel zu, doch mein Gegner fand nicht die stärkste Fortsetzung und mußte bald danach aufgeben.

Dies war jedoch nicht das 1:0 für uns, denn zuvor hatten – was angesichts meiner Gewinnstellung und auch einer sehr guten Position von Edgar Schubert vollkommen berechtigt war – Torsten Rose, Klaus Königer und Thomas Deutschmann jeweils ein Remis erzielt. Mit Edgars Sieg, der der verdiente Lohn für eine schöne Angriffspartie war, konnten wir nach rund dreieinhalb Stunden eine beruhigende 3,5:1,5-Führung verbuchen. Dabei sah es auch bei Hans-Peter Richter und dem zum zweiten Mal aus der Dritten hochgezogenen Arno Feiden recht gut aus, und bei Michael Busch hoffte ich, daß die etwas schlechtere Stellung für ihn zu halten sei. Arno und Michael boten in dieser Phase jeweils remis, was die Gegner aufgrund des Spielstandes ablehnten.

Arno spielte wieder eine tolle Kampfpartie. In einem eher ausgeglichen wirkenden Endspiel lauerte er auf die ungenauen Züge seines Gegners (wie schön, daß jemand auf mich hört!), die sich dann auch einstellten. Mit Läufer gegen Springer hatte Arno irgendwann zwei Mehrbauern, jedoch waren diese in Form eines isolierten Doppel-Freibauern leicht geschwächt. Dennoch ergab sich durch einen erneuten Fehler des Gegners eine Gelegenheit, mit einer kleinen taktischen Feinheit einen weiteren Bauern zu gewinnen, wonach der Gegner gezwungen war, die Hand zur Aufgabe rüberzureichen – 4,5:1,5, der erste Mannschaftssieg der Zweiten in der Stadtliga war perfekt!

Michaels Gegner spielte trotz knapper Zeit sehr akkurat und baute kleine positionelle Vorteile sauber zu größeren aus. Irgendwann wurden daraus Mehrbauern, erst einer, dann zwei, und nun war es ein Turmendspiel, in dem Michael nichts mehr entgegenzusetzen hatte – 4,5:2,5.

Nun spielte nur noch Hans-Peter. Auf dem Brett war eine komplizierte Materialkonstellation mit Turm, Läufer und Springer auf beiden Seiten sowie drei verbundenen Freibauern von Hans-Peter gegen einen einzelnen Freibauern des Gegners. Allerdings waren die gegnerischen Figuren etwas aktiver aufgestellt und hatten sich alle in der Nähe von Hans-Peters König versammelt, während seine drei Freibauern auf c5, b6 und a7 noch nicht in Bewegung gesetzt werden konnten. Bei sehr genauem Spiel war es für Hans-Peter vielleicht möglich, den Materialvorteil in einen Sieg umzusetzen, doch in der Praxis gestaltete sich dies sehr schwierig, obwohl der Gegner zusätzlich auch ständige Zeitknappheit besaß. Mit einem listigen Qualitätsopfer und Abtausch des anderen Leichtfigurenpaares schuf Hans-Peter dann plötzlich eine ganz neue Option: der Gewinnplan lautete nun „Läufer und drei Bauern gegen Turm und Bauer“. Doch leider war das nicht so einfach, wie es zunächst aussah, der Gegner hatte den König zu nah an den drei Bauern, und auch der Turm konnte mühelos verteidigen, so daß die für die Turmpartei nicht mehr gewinnbare Stellung auch für Hans-Peters Läufer und Bauern nicht mehr zum Erfolg geführt werden konnte. Auch ohne das Qualitätsopfer zeigte mir der Computer später an, daß die Stellung bei bestem Spiel remis enden würde.

Damit hatten wir den Endstand von 5:3 erreicht und konnten zufrieden die Heimreise antreten.

Bericht Dritte (Jonathan Born)

Die Dritte spielte am Sonntag gegen den Favoriten aus Kreuzberg.

Brett 1 (Jonathan):
Ich spielte gegen einen relativ starken Gegner (2100/2200) und musste nach einem taktischen Fehler, ohne den die Partie sehr ausgeglichen war, leider aufgeben.

Brett 2 (David):
„Meine Partie war recht ausgeglichen gegen einen leicht stärkeren Gegner (DWZ 1841). Ich spielte recht passiv und er griff folgerichtig an. Der Angriff war aber nicht durchschlagend (auch da seine Zeit langsam immer weniger wurde), und so ergab sich ein offenes Endspiel mit minimalem Vorteil meinerseits. Beim Stand von 4:3 und 7 gegen 5 Minuten bot ich Remis an und er nahm sofort an.“

Brett 3 (Siggi):
„Ich verteidigte mich gegen 1. e4 mit Caro-Kann und wir landeten in einem ziemlich langen Abspiel des Capablanca-Systems. Nach den ersten 2-3 „eigenen“ Zügen dachte ich über meinen 17. Zug nach, als sein Telefon klingelte. Also: 0:1 bei ausgeglichener Stellung.“

Brett 4 (Hermann):
„Im Londoner System hatte mein Gegner lange Zeit kleine positionelle Vorteile. Dann gewann ich einen Springer für 2 Bauern. Nachdem ich den wichtigen Freibauern meines Gegners auf der c-Linie beseitigen konnte, stabilisierte ich meine luftige Königsstellung.
Danach konnte ich meinen Turm auf der Grundlinie des Gegners sicher plazieren und hatte im Zusammenwirken mit meiner Dame tolle Angriffsmöglichkeiten. Kurz vor dem zwangsläufigen Verlust seiner Dame gab mein Gegner auf.“

Brett 5 (Stefan):
„Bei mir war slavisch mit Schwarz der analysiert fast fehlerfrei war aber leider auch ins Remis verflachte.“ [Anm. d. Red.: Dort, wo die Bedeutung der geschriebenen Worte erkennbar war, wurde versucht, offensichtliche Schreibfehler zu korrigieren. In allen anderen Fällen mußte dies leider unterbleiben :-)]

Brett 6 (Lutz):
Lutz verlor nach einer mir kaum bekannten Partie.

Brett 7 (Pascal):
„Die Eröffnung sah erst mal relativ gut aus (Aljechin und danach Skandinavisch), jedoch geriet ich in Entwicklungsnachteil und mein Gegner konnte mit einer für ihn besseren Bauernstruktur die Damen tauschen. Nachdem ich schon innerlich dachte, dass die Partie schon fast gelaufen sei, übersah mein Gegner einige taktische Manöver und so konnte ich den Strukturvorteil ausgleichen und in ein Endspiel mit Bauern und zwei Türmen und ein Bauer und einem Turm und dem Läuferpaar für ihn abwickeln. In Folge dessen wurde mein Gegner nervös und stellte mehrere Bauern ein. So konnte ich die Partie nach 4 Stunden für mich entscheiden.“

Brett 8 (Werner):
Werner spielte in einer unspektakulären Partie Remis.

Endstand: 4,5:3,5

Bericht der 4. Mannschaft (Hellmut Klevenow)

Wir haben zum 3. Mal 4:4 gespielt, obwohl heute ein Sieg drin gewesen wäre. Ich lehnte 2x ein Remisangebot ab, übersah dann etwas und musste später die Segel streichen.
Volle Punkte holten Alois, Eitel und Karsten Roloff, der dankenswerter Weise aushalf. Helmut und Klaus trugen mit ihren Remisen zum 4.Punkt bei.
Ralf verlor neben Rudi und mir nach langem Kampf.
Wir haben jetzt 5 Punkte und ich denke wir werden mindestens im Mittelfeld landen.
Gruß an alle Königsjäger Hellmut

Die 5., 6. und 7. Mannschaft waren in dieser Runde spielfrei.

8. Mannschaft: Erfahrungen für die Zukunft – Lob von den Gegnern (Athanasios Vassiliou)

Wir durften heute gegen die Mannschaft der SC Eintracht Berlin 7 ran (DWZ Ø 1270)

Das dritte Brett unserer Gegner blieb auch nach der Wartezeit von 30 Minuten leer, so dass Phileas sehr früh nach Hause konnte und wir unseren ersten Punkt verbuchen konnten.

Unsere Führung war leider nur von sehr kurzer Dauer. Simon kam am Brett 5 mit Schwarz nicht gut aus der Eröffnung und musste bereits im 6.Zug mit seinem König den gegnerischen Springer auf f7 schlagen. Es folgten diverse Schachgebote, die abgewehrt wurden, und ein Abtausch aller Leichtfiguren. Im Endspiel hatte die Gegnerin (DWZ 1200) einen Läufer und zwei Bauern mehr, und das reichte, um genügend Druck aufzubauen, so dass Simon im 21. Zug die Segel streichen musste.

Nicolas kam am 6. Brett mit Weiß gut aus seiner Eröffnung und er hätte die Partie gegen seinen Gegner (DWZ 1008) bestimmt längere Zeit ausgeglichen gestalten können, wenn er nicht im 14. Zug seinen Läufer für einen Bauer geopfert hätte. Der Gegner konnte mit einer Leichtfigur im Vorteil Druck auf Nicolas König aufbauen, so dass er nach dem 24. Zug etwas voreilig aufgab. Die gesamte Partie dauerte ähnlich wie bei Simon nur 34 Minuten.

Am 1. Brett spielte Noah mit Schwarz gegen einen starken Gegner (DWZ 1548) und zeigte eine, wie sein Gegner sagte: „sehr gute Leistung“. Bereits nach dem 9. Zug kam es zu einer interessanten Kombination, in der Noah Läufer und Springer gegen einen Turm tauschte. Im 17. Zug wurden die Damen getauscht und kurz danach die Springer. Jedoch standen die Figuren des Gegners aktiver und so erspielte er sich einen Vorteil. Erst als durch eine Springergabel auch Noahs letzte Leichtfigur vom Brett verschwand, hatte der Gegner leichtes Spiel. Noah gab ein paar Züge später auf.

Am 4. Brett spielte Leander mit Weiß gegen einen jungen Spieler (DWZ 1300), erwischte einen guten Start und konnte die Partie auch lange ausgeglichen gestalten. Im Mittelspiel wurden die Damen und sämtliche Figuren abgetauscht, so dass sich ein interessantes Turm-Bauern-Endspiel ergab. Die zwei Bauern, die der Gegner mehr auf dem Brett hatte, gepaart mit seiner größeren Erfahrung haben ausgereicht. um auch diesen Punkt an unsere Gäste abzugeben.

Am 2. Brett spielte Linus Spahn mit Weiß gegen den zweitstärksten Spieler (DWZ 1351) der gegnerischen Mannschaft. Er zeigte insgesamt eine sehr gute Leistung und hat auch bis zum Schluss um seine Chance gekämpft. Am Ende gab es keinen Punkt für Linus, aber ein sehr großes Lob vom Gegner.

Wir verlieren also 1:5 und gewinnen aber an Erfahrung, die alle Kinder weiterbringen wird. Und ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Runden zusätzlich zu den Erfahrungswerten auch weitere Punkte sammeln werden.