Runde 3

3.12.2017

Königsjäger 1: Den Favoriten im Lokalderby mächtig ins Schwitzen gebracht (Veit Godoj)

Ein Blick auf die Mannschaftsaufstellung der angereisten Schachfreunde von Zehlendorf 2 genügte um festzustellen: Hier geht heute vielleicht was. Immerhin hatte man beim Spitzenreiter drei starke Spieler der „Mittelachse“ nicht dabei, wodurch wir an drei Brettern DWZ-Vorteile auf unserer Seite hatten. An den anderen 5 Brettern waren die Zehlendorfer teilweise deutlich nach DWZ stärker. So auch an Brett 7, wo es unser Jonas Eilenberg mit dem nachgemeldeten Neuzugang SF Glinzer und 2092 DWZ zu tun hatte. Wieder löste Jonas seine Aufgabe mit Bravour, nach einem Damenopfer sah sich der Zehlendorfer gezwungen, Remis durch Zugwiederholung anzusteuern.

An den Brettern 5, 6 und 8 holten Veit Godoj, Jonas Kreutz und Thomas Deutschmann anschließend ungefährdet die vollen Punkte, während Brigitte leider SF Markus Penner unterlag.
Besonders fein behandelte Jonas Kreutz seine Partie gegen den frischgebackenen Klubmeister Dr. Merz von Zehlendorf: Von Anfang an den Gegner unter Druck setzend und Schritt für Schritt die Stellung verstärkend, bis der Stellungsvorteil in Materialvorteil umgemünzt wurde. Super, Jonas! So stand es erstmal 3,5 : 1,5 für uns und nur die ersten drei Bretter spielten noch. Diese waren allerdings auf Seiten unseres Kontrahenten mit ihren Paradespielern aus dem Bereich „über 2200 ELO“ besetzt. Diese Vorteile machten sich denn auch im weiteren Verlauf an Eins und Drei bemerkbar: Erst unterlag Jörn Florian nach lange ausgeglichenem Kampf im Turmendspiel gegen Faris Kalabic. Dann büßte Jakob Hartmann gegen SF Klimm bei Zeitmangel Material ein. Zwar sträubte sich Jakob noch lange gegen die drohende Niederlage, aber kurz vor Ultimo musste er bei Minusfigur und Minusbauern im Leichtfigurenendspiel dann doch aufgeben: 3,5:3,5 und Deja Vu, denn schon gegen die Queerspringer hatte es ebenso gestanden.

Ein halbes oder gar ganzes Pünktchen noch und die Überraschung wäre perfekt. An diesem Spieltag schafften solches übrigens die Schachfreunde von Friedrichshagen 1 in der parallelen Stadtliga B, die die haushohen Favoriten von Zugzwang 4,5 : 3,5 besiegen konnten. Aber uns hatte das Schachorakel für dieses Match ja nur 3,8 Punkte vorhergesagt……
Alles hing nun vom Ausgang der wechselhaft verlaufenen Partie zwischen SF Behrmann und Jonas Nohr ab. Aus der Eröffnung war Jonas mit klarem Stellungsvorteil hervorgegangen, so daß er Kurs auf den vollen Punkt nahm. Doch Behrmann konnte seine Stellung konsolidieren und hernach sogar Plusmaterial in Form von zwei Mehrbauern erspielen. Jonas opferte einen Springer gegen zwei Bauern, um eventuell eine „Turm und Läufer gegen Turm-Situation“ anzupeilen. Dies gelang nach einem Fehler Behrmanns sogar und Jonas hatte sein angestrebtes Endspiel erreicht. Die zahlreichen Kibitze, unter denen einige mitgereiste Schlachtenbummler von Zehlendorf waren (darunter SF Flöel), fragten sich: Wie ist dieses Endspiel zu bewerten?
„Es gilt die generelle Einschätzung, dass es im Normalfall Remis enden sollte“, beantwortet diese Frage SF Thomas Binder von den Schachfreunden Siemensstadt, der hier gesondert erwähnt werden soll, weil er auf der Webseite seines Schachvereins eine sehr übersichtliche und lehrreiche Abhandlung speziell über dieses Endspiel ins Netz gestellt hat, die ich allen Interessierten empfehlen möchte. Hier könnt ihr sie erreichen.

Kennt man sich im Wirrwarr um Mister „Cochrane“ und „Gewinnprinzip nach Philidor“ gut aus, um nur zwei gängige Prinzipien zu nennen, mag man gute Aussichten auf ein Remis in diesem Endspiel haben. Aber es ist ja bekannt, dass selbst auf GM-Niveau dieses schwierige Endspiel recht häufig auch gewonnen wird. Und für Jonas Nohr sollte es bei stets knapper Bedenkzeit – über weite Strecken zehrte er nur noch vom Inkrement – eine besonders schwere praktische Aufgabe werden. Letztlich gewann Behrmann dieses remisverdächtige Endspiel noch, sehr zur hörbaren Erleichterung des Zehlendorfer Anhangs. „Glück gehabt“ konstatierte einer der Erleichterten. Ja, vielleicht. Aber eben auch drei erfahrene Spitzenbretter, die am Ende diesen knappen Sieg unter Druck gerettet haben. Auf jeden Fall zumindest gefühlte 3,8 Punkte für uns, aber eben keine Mannschaftspunkte.
Die Zehlendorfer bleiben somit erster Anwärter auf den Aufstiegsplatz, während die Unsrigen nun ganz entspannt in die verbleibenden Runden gehen werden.

Zweite weitgehend chancenlos gegen TSG 2 (Sven Schüle)

Unsere 2. Mannschaft hatte heute TSG Oberschöneweide 2 zu Gast. Wie bereits in den vorigen Runden saßen wir auch diesmal an allen Brettern teilweise deutlich stärkeren Gästen gegenüber. Kurz zusammengefaßt: wir schafften an einigen Brettern ein Remis, der Rest ging verloren.

Als erstes traf es Hans-Peter Richter, der im Mittelspiel durch einen starken Zentralspringer des Gegners in Verbindung mit gefährlichen Drohungen gegen seine Königsstellung in klaren Positionsnachteil geriet und in der Folge keine wirksame Verteidigung dagegen fand. Michael Busch erreichte an Brett 1 ein Remis und kann damit zufrieden sein. Torsten Rose spielte an Brett 6 ebenfalls Remis, nachdem er sich zunächst mehr Chancen ausgerechnet hatte, dann aber eine Stellungswiederholung zulassen mußte. Zwischenstand nach rund drei Stunden: 1:2.

Ralf Kreutz, der aus der Dritten hochgerückt war, kämpfte lange an Brett 8 und erreichte ein kompliziertes Endspiel, in dem beide Seiten je einen Turm, eine Leichtfigur sowie zwei verbundene Freibauern und einen weiteren Bauern hatten (wenn ich mich recht erinnere). Leider konnte der Gegner sich durchsetzen – 1:3. Die Partien von Fabian Schmidt (Brett 7) und Edgar Schubert (Brett 2) konnte ich kaum verfolgen, bei Fabian sah ich nur irgendwann eine klar verlorene Stellung und bei Edgar die „übliche“ Mischung aus wilden taktischen Verwicklungen, beiderseitigen Angriffsmöglichkeiten und Zeitnot. Später stand dann plötzlich ein für Edgar verlorenes Bauernendspiel auf dem Brett, dessen Entstehung ich nicht mitbekam. Nach seiner Aufgabe stand es bereits 1:5.

Klaus Königer hielt an Brett 5 gut mit, konnte jedoch keinen Vorteil erreichen, was auch mit Schwarz gegen einen um über 100 DWZ-Punkte stärkeren Spieler keine leichte Aufgabe ist. Nachdem unsere Mannschaftsniederlage inzwischen feststand, gestattete ich Klaus natürlich, Remis zu vereinbaren.

Die längste Partie war diesmal meine eigene, und es war wahrscheinlich auch die wechselhafteste. Mit Weiß war ich aus der Eröffnung mit einem minimalen Vorteil herausgekommen. Nach ungenauem Spiel meines Gegners geriet seine Dame mitten auf dem Brett in Bedrängnis, was mir taktische Möglichkeiten bot. Jedoch fand ich im 15. Zug nicht die optimale Lösung und ließ zum ersten Mal einen klaren Gewinn aus. Ich rechnete in der Folge zwar konzentriert, entdeckte aber dennoch nicht die beste Verteidigung für den Gegner und ließ im 17. Zug wieder Ausgleich zu. Kurz danach geriet ich sogar leicht in Nachteil, da ich fortwährend gegnerische Möglichkeiten unterschätzte. In der Partie fühlte ich mich jedoch im Vorteil, was natürlich den psychologischen Vorteil hatte, daß ich motiviert und konzentriert zu Werke ging. Es änderte leider nichts an der Qualität meiner Berechnungen, die ab und zu doch Lücken aufwies.

So schwankte die Partie viele Züge lang zwischen knapp ausgeglichen und knapp schlechter für mich, bis mein Gegner im 28. Zug übervorsichtig g7-g6 zog und einen Zug später sogar einen dicken Fehler einstreute. Nun konnte ich seine Dame mit f2-f4 nach g7 (oder wahlweise h8) zwingen und danach mit e4-e5 für einige Zeit einsperren. Dies bescherte mir einen klaren Positionsvorteil. Und in schlechten Stellungen bleiben auch taktische Fehler nicht aus – wenn der Gegner sie ausnutzt … Tatsächlich übersah ich aber, daß mein Gegner im 32. Zug mit axb4? eine Leichtfigur einstellte, da ich gerade auf c6 einen Läufer geschlagen hatte und den Zwischenzug mit Angriff auf meinen Springer c3 einfach mit Sb5! und Angriff auf seinen Springer c7 hätte parieren können. Stattdessen nahm ich schematisch auf b4 zurück und stand wieder „nur“ etwas besser (wobei ich wieder dachte, ich stände klar auf Gewinn – so kann man sich täuschen).

Nun überführte ich meinen Springer auf das vermeintliche „Traumfeld“ f6 und plante anschließend den Bauernhebel h4-h5 mit Öffnung der h-Linie für meine Schwerfiguren. Auch hier hatte ich die Rechnung ohne den (sich verteidigenden) Wirt gemacht, denn mein eigener König stand im Bereich c1/b2 auch ziemlich luftig, so daß Schwarz mit seiner Dame von g6 aus und seinem Turm auf der a-Linie immer wieder Drohungen hatte. Objektiv stand ich nun wieder etwas schlechter, wollte das aber nicht wahrhaben – hatten wir das nicht schon mal? Nach Springertausch waren jeweils noch Dame, Turm und vier Bauern vorhanden, aber von einem „Endspiel“ waren wir wegen der unsicheren Könige weit entfernt.

Im 47. Zug (wir waren bereits weit in der fünften Stunde) hatte ich die Gelegenheit zu einem Abzugsschach e5-e6 auf der Diagonale c3-g7, das durch den Bauernvorstoß nach d4 pariert werden mußte. Doch nun wurde ich leichtsinnig und rechnete nicht genau genug. Ich spielte exf7 und sah nur entweder das Schlagen meiner Dame (dann gewinne ich zwingend mit der Umwandlung f7-f8D+ in Verbindung mit meinem Ta8) oder das Zurückschlagen auf f7 mit Turm oder Dame – jedoch fand ich nicht das naheliegende und tödliche Zwischenschach Ta7!! Mein Gegner auch nicht … Die Partie blieb noch mehrere Züge lang spannend, da ich nun nochmal Gelegenheit zu einem gefährlichen Angriff erhielt. Mit knapper Zeit fand ich aber nicht immer den besten Zug, und objektiv (laut Computer) war die leicht vorteilhafte Stellung auch nicht mehr wirklich zu gewinnen. Nach 58 Zügen setzte ich dann zum ewigen Schach an (dem er nicht günstig ausweichen konnte) und bot remis.

Mit 2:6 erhielten wir eine herbe Klatsche von einer gegnerischen Mannschaft, die uns heute überlegen war. In der 4. Runde am 17.12. müssen wir gegen die ebenfalls noch bei 0 Mannschaftspunkten stehende Mannschaft Rotation/Turbine alle unsere Kräfte mobilisieren, um den ersten Mannschaftssieg nach Hause zu fahren.

Spielbericht 3. Mannschaft (Jonathan Knaut)

Wir traten gegen SG Weißensee 49 in sehr schönem Ambiente in Weißensee mit Teich- und Parkblick an. Ein toller Spielort, den man für Auswärtsspiele sehr empfehlen kann. Unser Gegner war ein klarer Aufstiegsaspirant, gegen den wir uns möglichst teuer verkaufen wollten. Am Anfang sah es auch ganz danach aus. Lange Zeit hatten wir
ausgeglichene Stellungen, in denen beide „Jonathane“ und Hermann Angriff hatten. Erst nach und nach setzte sich die Erfahrung und der deutlich höhere DWZ-Schnitt der Gegner durch.

Pascal (7.) wurde als erster überrannt, obwohl er einige Zeit gute Gegenwehr leistete: „Nach einigen Eröffnungsschwierigkeiten bekam ich aktives Spiel und konnte sogar Druck aufbauen. Jedoch machte ich einen falschen Zug, wonach ich meinen sehr wichtigen Läufer tauschen musste. In Folge geriet ich unter immer größeren Druck und schließlich musste ich meine Dame gegen zwei Leichtfiguren abgeben und bald danach aufgeben.“

Lutz (6.) holte ein Remis: „Mein Gegner wich der Philidor-Endspielvariante mit 3. Ld3 aus und ich entschied mich deshalb für die Pirc-Verteidigung. Hier wählte wiederum mein Gegner den Dreibauernangriff mit frühem Vorstoß von e4-e5. Obwohl ich sein Zentrum
mit …c5 unterminieren wollte, konnte er Bauern auf e5 und f4 etablieren. Während er mit seinen Schwerfiguren auf der c- und d-Linie Druck machte, war es vor allem meine Aufgabe, irgendwie ständig geeignete Felder für meine Springer zu finden. Auch der Abtausch eines Turmpaares ergab nur einen Hauch der Entlastung. Obwohl ich meine Partie als verloren einschätzte, nahm ich mir vor, mich wenigstens so zäh wie möglich zu
verteidigen. Ein wenig spekulierte ich auch auf kommende Zeitnot bei meinem Gegner, hatte ich doch 40 Minuten und er nur noch 20 Minuten für rund 15 Züge zur Verfügung. Dennoch war das plötzliche Remisangebot meines Gegenübers sehr überraschend. Er erklärte dies mit einer Erkältung, die ihm schon seit einer Woche plagt. Im Sinne seiner
Gesundheit, habe ich das dann angenommen…“^^

Karsten (5.) musste als nächster die Waffen strecken: „Meine Partie startete ich mit einem abgetauschten Franzosen (ich hatte Weiß). Offensichtlich kannte aber nicht nur ich die Fortsetzung „nicht so genau“. Etwas überraschend entwickelte sich eine interessante Partie, in der ich leider nicht ausreichend Selbstvertrauen und Mut hatte. Dadurch
entgingen mir wohl mindestens 2 gute Gelegenheit auf Angriff zu spielen. Wie immer wird Passivität im Spiel irgendwann bestraft. Und so geschah es dann auch bei mir. Meine Figuren standen etwas zu unorganisiert und fielen schließlich dem gegnerischen Überfall zum Opfer.“ 0,5 – 2,5.

Jonathan Knauts (3.) Gegner spielte eine Philidor-Verteidigung, was es Jonathan ermöglichte angenehm aus der Eröffnung zu kommen und einen Bauernangriff gepaart mit einem Läuferopfer gegen seinen 1980er-Gegner Hagen Jurkatis durchzuführen: „Erstaunlicherweise fühlte ich mich fast die gesamte Zeit in der Partie sehr wohl, weil ich mir sagte: gegen einen so starken Gegner traust du dich einfach mal was, um nicht langsam unterzugehen. Durch diesen Mut fand ich einige taktische Kniffe, um mir
einen Vorteil von mind. 2. Bauern zu erarbeiten. Letztlich bin ich dann in einem Endspiel mit einer Dame und zwei Springern gegen 2 Türme und einen Läufer gelandet, bei dem ich die Initiative hatte. Leider setzte ich diese aber nicht um, sodass ich in leichter Zeitnot und schwieriger Stelle Remis bot, was mein Gegner annahm. Aufgrund des DWZ-Unterschiedes konnte ich damit trotz der eigentlich lange Zeit vorteilhaften Stellung ganz zufrieden sein.“ 1 – 3.

Adrian (8.) stand, soweit ich das beurteilen konnte, lange Zeit ausgeglichen und später in einem Läufer-Springer Endspiel auch leicht besser, fand aber keinen Gewinnweg, sodass wir hier unseren letzten halben Punkt einfuhren, was wir aber zu dem Zeitpunkt nicht ahnen konnten. 1,5 – 3,5.

Jonathan B. (1.) hatte lange Zeit eine spannende Stellung: „Jonathan spielte gegen Matthias Ahlberg lange ausgeglichen und konnte sich den kleinen Vorteil des Läuferpaars erarbeiten. Ein paar Züge später übersah er jedoch eine kleine taktische Wendung, die zum Abtausch von einem Leichtfigurenpaar führte und verlor ein Endspiel T+L+3B gegen T+L+3B, da die Bauernstruktur ungünstig war.“ 1,5 – 4,5.

Hermann (4.) stand lange Zeit etwas unter Druck, aber genoss einen langfristigen Vorteil, den er zum Schluss leider nicht verwerten konnte: „Es wurde eine englische Eröffnung gespielt, in der die Stellung in der Mitte und am Damenflügel geschlossen wurde. Nach der Öffnung des Königsflügels wurden unter anderem die Türme getauscht. Danach bot mir
mein Gegner 2 x ein Remis an. Ich sah aber einen, wenn auch nur geringen Vorteil für mich und lehnte ab. Zudem war ich gierig. Ich wollte den „Skalp“ eines um 200 DWZ-Punkte stärkeren Gegners. Beim Versuch, meinen Freibauern am Königsflügel zu aktivieren, übersah ich eine Springergabel, die auch meinem Gegner einen Freibauern
bescherte. Bei der Umwandlung des Bauern zur Dame musste ich meinen Läufer opfern. Zum Remis fehlte mir dann ein Tempo, mit dem ich den letzten Bauern meines Gegners, der nur noch einen Springer hatte, hätte schlagen können. Fazit: Übermut tut selten gut.“ 1,5 – 5,5.

Siggi (2.) spielte am längsten und landete schließlich in einem Endspiel, wo er mit einem Springer gegen einen Läufer und einen Bauern mehr dastand. Trotz guter Verteidigung musste er sich am Ende geschlagen geben. Endstand 1,5 – 6,5.

Diese Runde hat gezeigt, dass wir uns teuer verkaufen können. Nächste Runde versuchen wir dann wieder einmal mehr Messbares nach Hause zu bringen:-)

Bericht 4. Mannschaft (Hellmut Klevenow)

Obwohl wir noch 2 Spieler an die Dritte abgaben hatten wir doch eine spielstarke Mannschaft beisammen, zumal Eitel Jandt wieder zur Verfügung stand und prompt auch einen Punkt beisteuerte. Leider kann ich nicht viel von den Partien berichten, weil ich selbst lange über meine Partie grübelte. Erfreulich war, dass Ralf Kramer den ersten Sieg einfahren konnte und Helmut Kliem und ich erfolgreich waren. Mit weiteren 3 Remisen war der erste Sieg mit 5,5 : 2,5 gegen Oberschöneweide errungen und mit nunmehr4 Punkten stehen wir an dritter Stelle in unserer Staffel. In 2 Wochen müssen wir nach Tegel und hoffen, dass es dabei bleibt, ungeschlagen zu sein.

Zweiter Sieg der Fünften (Fredy Reimann)

Wir traten gegen die 4. Manschaft von SF Nord-Ost Berlin an, die bisher ebenfalls einmal gewonnen und einmal verloren hatte. Relativ früh einigte sich Ezien auf ein Remis und kurz danach gewann Henning seine Partie. Als danach Lothar ebenfalls Remis spielte und Christian gewann, führten wir mit 3 zu 1.

Ich hatte eine aussichtsreiche Stellung, die ich nach einem schlechten Abtausch nur zu einem Endpiel mit 2 ungleichfarbigen Läufern und einem Mehrbauern für mich abwickeln konnte. Da an den anderen 3 Brettern der Ausgang noch nicht klar war, spielte ich noch einige Züge. Als dann Karsten eine klare Gewinnstellung erzielte, einigte ich mich auf Remis.

Karsten gewann dann bald seine Partie und da Ezra seine verlor, führten wir 4,5 zu 2,5. Besonders interessant war die Partie von Detlef, der nach einem groben Fehler eine schwierige Stellung spielen musste. Sein Gegner versuchte dies auszunutzen, übersah dabei jedoch, dass es zu einer dreifachen Stellungswiederholung (nicht Zugwiederholung) kam. Er kannte anscheinend die Regel gar nicht und wollte Detlef unter Zeitdruck
bringen. Das Spiel musste dann mit einem anderen Schiri (Detlef spielte ja) nachgespielt werden. Durch dieses Remis erspielten wir einen schönen 5:3 Sieg.

Sechste: Halb gewonnen ist ganz verloren

Die Sechste musste trotz guter Chancen  eine Niederlage gegen die 2. Mannschaft vom Spandauer SV hinnehmen. Leider hatten wir wieder Aufstellungsprobleme (Einzelheiten will ich aber hier nicht nennen), so dass wir nur zu siebt antraten. Unser Gegner musste aber die ersten beiden Bretter freilassen, so dass es nach 30 Minuten schon 2:1 für uns stand. Dies war ärgerlich, da wir heute zum ersten Mal mit unseren beiden besten Spielern (Jonas Thiergart und Tim Raudies) zusammen antraten, die ihre spielerische Stärke nicht unter Beweis stellen konnten, jedoch nahmen wir die beiden Brettpunkte gerne mit.

Theo an Brett 7 spielte ziemlich rasch. Erst wurden die Leichtfiguren abgetauscht, dann griff er seinen deutlich erfahrenen Gegner stark an. Ich (Brett 3) kam besser aus der Eröffnung und konnte bald mit Angriffen drohen. Peet (Brett 4) stand auch nicht schlecht. Bei Lukas (Brett 6) und Domenik (Brett 5) sah es ausgeglichen aus, wobei ich nicht viel Zeit damit verbrachte, diese Partien zu beobachten. Nach etwa 1,5 Stunden bot Lukas‘ Gegner Remis. Da wir 2:1 führten und es bei Theo und mir nicht gerade schlecht aussah, stellte ich ihm frei, ob er, in wohl ausgeglichener Stellung, noch weiterspielen möchte oder annimmt. Er tat letzteres und es stand 2,5:1,5.

Theo hatte nun ein gewonnenes Turmendspiel. Auf dem einen Flügel war jeweils zwei Bauern, auf dem anderen Flügel war nur Theos Freibauer. Jedoch wusste er nicht so recht, wie er die Situation verwerten sollte. So konnte der gegnerische König die beiden Bauern auf dem einen Flügel abholen und letzendlich gewinnen. Schade, dass sich Theo für die zuvor starke Leistung nicht belohnen konnte. Es stand also 2,5:2,5.

Ich konnte meinen Gegner in die Enge treiben, so dass er gezwungen war, sich zu verteidigen. Leider nutzte ich meine Zeit nicht optimal und hatte bald große Nachteile. Dann konnte ich die Leichtfiguren abtauschen und die Dame für die beiden Türme geben. Der Computer zeigte nun immer etwas zwischen +3 und +4.

Peet wickelte nun in ein Endspiel ab, bei dem er zwei Minusbauern hatte (auf jedem Flügel einen), sein König aber im Zentrum stand. Domeniks Brett war noch ziemlich voll. Ich spielte zu stark auf Matt und ließ die Dame in meine Stellung. Leider fehlte mir ein Zug zum Matt, da Dauerschach drohte. Außerdem musste ich viel Zeit investieren, um die richtigen Züge zu finden. Ich nutzte meine zusätzliche Bedenkzeit, während mein Gegner noch über eine Stunde der Grundbedenkzeit hatte. Es kam zu folgender Stellung:

http://www.schachforum.at/diagramme/0000k00000000T000000000000b00T000bBbB0000B0d000B000000BK00000000.gif
Diagramm erstellt mit Schach Diagramm Generator (http://www.schachforum.at/diagramme/)

Stellung nach 52. … Dc3xd3; 53. Tf6xf7+ Kf8-e8

Mein Plan, Treppenmatt zu setzen, schlug wegen 54. Ta7 Dxe4 55. Th5 Df4+ fehl, da ich Dauerschach befürchtete. Ich zog nach langer Überlegung 54. e5. Was würdet Ihr spielen?

Peets Gegner konnte seinen letzten Bauern in eine Dame verwandeln. Peet indes hatte drei verbundene Bauern. Reicht das? Sein Gegner setzte immer wieder Schach. Peet konnte keine wirklichen Fortschritte machen. Doch fand sein Gegner wohl auch nicht den schnellsten Gewinnweg.

Ich musste mich mit den gegnerischen Freibauern und Dauerschach-Drohungen herumschlagen und kam unter 20 Minuten Zeit, bei der die DGT-Uhren schon die Sekunden zählten, die Sekunden in dieser komplexen Stellung etwas zu reißen.

Domenik griff mit seinen Türmen an, doch der Gegner stand zu sicher. Dann konnte dieser auch noch einen ungedeckten Bauern nehmen.

Peets Gegner konnte mit einem starken Damenzug die Bauern aufhalten. Nun kam der König heran.

Ich hatte nur noch etwas unter zehn Minuten und glaubte, eine Gewinntaktik zu sehen. Leider muss man auch in diesen Momenten alle Optionen des Gegners beachten, was ich nicht tat. Auch wenn ich mich danach noch wehrte, konnte dieser Turmverlust meine Partie nicht retten. Innerhalb von einem Zug wurde meine Partie zu nichte gemacht. Es ging von +5 auf -5. Sehr ärgerlich! 2,5:3,5

Nur wenige Sekunden nach meiner Aufgabe (fast zeitlich) gab Peet seinem Gegner die Hand, da dieser zwei Bauern gewonnen hat und auch der letzte nicht mehr zu verteidigen war. 2,5:4,5.

Domenik spielte noch etwa eine Stunde. Nachdem die Türme getauscht waren, nutzte dem Gegner der Mehrbauer im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern nichts. Lange wurde noch hin und hergeschoben. Als dann Domenik eine Zugwiederholung aufs Brett brachte und eine weitere drohte, bot der Gegner Remis, woraufhin sie sich einigten. 3:5

Zusammenfassend waren wir uns einig, dass es insgesamt eine unnötige Niederlage war, da wir an vielen Brettern gute Siegchancen hatten. Als wir auf dem Rückweg aus Spandau die S-Bahn nahmen, sahen wir viele Hertha-Fans auf dem Weg zum Olympiastadion. Diese hatten ja zumindest auch gute Remischancen, wenn sie in der 80. Minute nicht das Gegentor bekommen hätten.

Königsjäger 7:  Herzschlagfinale bei Siemens (Sven Sohr)

Aller guten Dinge sind drei: Noch einmal bat mich Manfred, den Bericht zu schreiben (bevor er 2018 wieder online sein will). Angesichts der Dramatik des Spiels bei den Schachfreunden in Siemensstadt wähle ich nach dem originellen Vorbild von Christoph die Metapher eines Fußballspiels, um die spannenden gut vier Stunden (umgerechnet auf gute 90 Minuten) angemessen zu würdigen:

1. Minute: David, unsere Nummer 1, schießt ins leere Tor. Sein Gegner (DWZ 1500) hatte sich kurz vor Anpfiff verletzt (gute Besserung!) – 1:0.

45. Minute: Zum (imaginären) Halbzeitpfiff um 11 Uhr hält K7 den Vorsprung fest – ausgeglichene Zweikämpfe auf allen Positionen.

49. Minute: Stürmer Kasimir, unsere Nummer 3, gelingt ein Remis, für das er eine Stunde weniger Bedenkzeit als sein Gegner (1309) brauchte.

54. Minute: Unser schnellster Spieler Rashid reicht seinem Gegenüber (960) an Brett 7 die Hand. Er gönnte sich nur eine halbe Minute pro Zug.

56. Minute: Daniel, unser Defensivkünstler an Brett 2, der bereits gestern in Magdeburg viele Stunden im Einsatz war, wo er seinen ersten Jugend-Bundesliga-Sieg feierte, trotzt seinem Gegner (1389) ein Remis ab – 2:2.

62. Minute: Nach der „Pause“ geht es weiter Schlag auf Schlag. Erstmals geraten wir in Rückstand, nachdem der Sechser von Siemensstadt (1372) gegen Karim gewinnt – 2:3.

84. Minute: Kurz vor Schluss schaffen wir einen Überraschung-Coup, da Messi, stärkster Feldspieler von Siemens (1478), gegen Youngster Luna (mutig und konditionsstark trotz Magdeburg in den Knochen) an Brett 5 auch nach fast vier Stunden nicht durchkommt und entnervt („Das ist so peinlich!“) ins Remis einwilligt.

90. Minute: Die Zuschauer fiebern der Nachspielzeit – nur noch wenige Sekunden auf den Uhren – entgegen. Der K7-Anhang ist hoffnungsvoll, denn die letzten beiden Marathonspieler haben beide Figurenvorsprung.

92. Minute: Nach einer kontrollierten Offensive, gewinnt Jim an Brett 4 einen zweiten Bauern. Sein Gegner, der besser als erwartet (1050) spielte, gibt auf – Ausgleich!

93. Minute: Nach einer tapferen Verteidigungsschlacht und einem Läufer Vorsprung stellt Max an Brett 8 unglücklich seine Dame ein – Knockout nach einem Konter quasi mit dem Schlusspfiff zum 3.5:4.5!

Fazit: Nach starkem Kampf eine sehr unglückliche Niederlage – immerhin sind wir in Klasse 3 angekommen und kombinieren als prognostizierter 85-Prozent-Absteiger auf Augenhöhe. Doch der Weg zum Klassenerhalt ist noch weit…