Königsjägerinnen sind Norddeutscher Vereinsmeister!

Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr eine Norddeutsche Vereinsmeisterschaft (NDVM) in der U16w und zum ersten Mal waren wir mit einer Mädchenmannschaft dabei. Nachdem Daria Pikki und Luise Schmidt im letzten Jahr zu uns gewechselt waren, hatten wir zusammen mit Luna Sohr schon 3 Spielerinnen zusammen und konnten zusammen mit einer Gastspielerin eine Mannschaft bilden. Dafür konnten wir Sophie Petersen, eine starke Spielerin vom SV „Glück auf“ Rüdersdorf gewinnen. Nachdem es zuvor Online- und Offlinetrainings mit Kristian Dimitrijeski gab, war unsere Mannschaft bereit als Setzlistenerste in das Turnier zu gehen. In 5 Runden Schweizer System wurde unter den 7 teilnehmenden Teams (ein Team musste kurzfristig wegen Quarantäne absagen) ein Norddeutscher Meister und die vier Qualifizierten für die Deutsche Meisterschaft gefunden werden.

In der 1. Runde spielten wir gegen den HSK. Diese waren an Brett 1 mit einer 1800-erin gut besetzt, hatten aber hinten nicht so starke Spielerinnen. Die Devise „hinten Punkten“ wurde eingehalten. Wir gewannen 3:1, in dem Dasha, Luna und Luise an Brett 2-4 die Siege einfuhren. Luna hatte dabei trotz Mehrbauer lange wegen eines offenen, unrochierten Königs eine unklare Stellung. Luise konnte mit dem Läuferpaar einen Vorteil erringen, positionierte ihren Läufer im gegnerischen Lager und stellte die Gegnerin vor die Wahl: Dame oder Matt? Dasha erlangte das vorteilhafte Endspiel Läuferpaar und gedeckter Freibauer (als Mehrbauer) gegen Turm, Sophie an Brett 1 geriet in einen starken Angriff und musste die Waffen strecken.

In der 2. Runde hatten wir es mit Lehrte zu tun. Diese hatten in der ersten Runde spielfrei gehabt und waren der nominell schwächste Gegner. Luise profitierte von der wenigen Erfahrung ihrer Gegnerin, die ein Matt übersah, welches uns ein schnelles 1:0 bescherte. Bald konnte auch Dasha gewinnen, die bereits zuvor mehrere Bauern ihrer Gegnerin eingesammelt hatte. Schlussendlich gewannen auch Luna und Sophie, sodass wir ein 4:0 erreichten.

Dann gab es in der 3. Runde den ersten Knaller: Wir spielten gegen Papenburg, die bereits in der ersten Runde Borussia Lichtenberg (Setzlistenzweiten) besiegt hatten. Lunas Gegnerin hatte viel zu früh einen Läufer auf f7 geopfert, bekam aber keinen richtigen Angriff, sodass Luna (in einer zugegeben nicht trivialen Stellung) schon früh mit Mehrfigur gegen Bauer kämpfte und bald auch die Partie für sich entschied. Auch Luise und Dasha konnten volle Punkte einfahren, Sophie kämpfte lange, konnte aber gegen den weitaufgerückten gegnerischen Freibauern nichts mehr entgegensetzen, also 3:1 für uns und alleinige Tabellenspitze mit 6 Mannschaftspunkten.

Am Nachmittag kam es in der 4. Runde dann zum entscheidenden Wettkampf gegen Borussia Lichtenberg. Die Setzlistenzweiten hatten nach der Auftaktniederlage in Unterzahl, dann in voller Besetzung die weiteren Wettkämpfe gewonnen und waren uns damit auf der Fersen. Würden sie gewinnen, hätten sie uns bei den Mannschaftspunkten eingeholt. Es kam zu erwarteten spannenden Showdown, bei dem nichts verschenkt wurde. Schon bei meinem ersten Rundgang nach einer halben Stunde war es überall ausgeglichen. Nach zwei Stunden war ebenfalls noch nichts Spruchreifes auf dem Brett zu sehen. Ich lief durch den Raum mit einem flauen Gefühl im Magen und war total angespannt, so wie in einem spannenden Film. Doch dieses Drama war echt. Es war noch alles drin. Während sich der Turniersaal langsam leerte waren alle 8 Mädchen (unsere und die von Borussia) hochkonzentriert an Brettern. Jede wusste, dass in diesen sehr ausgeglichenen Stellungen eine kleine Ungenauigkeit bestraft werden könnte und sich damit das geschehen im gesamten Mannschaftswettkampf verändert. Bei Sophie konnte ich die aus unserer Sicht beste Stellung vernehmen. Sie hatte einen entfernten Freibauern bilden können. Bei Dasha hatte sich ein Endspiel mit 2T + Leichtfigur gebildet. Vom logischen Denken her, war Dashas Stellung besser, aber ich hatte das Gefühl, dass ich lieber mit den Figuren der Gegnerin spielen würde, wenn ich mir das Aussuchen würde. Es war wohl sehr unklar. Auch bei Luna war ich mir nicht sicher. Hier stand ein offener Schlagabtausch an. Im Schwerfigurenendspiel mit D + T auf beiden Seiten, hatte ihre Gegnerin bereits ihren Turm auf Lunas Grundreihe gebracht und um ihren König herum sah es sehr luftig aus. Dafür hatte sie ihren Turm vor ihren Bauern gebracht und schaute über die halboffene f-Linie in das gegnerische Lager, zusammen mit der Dame stellte sie sogar eine Mattdrohung auf. Die Partie war also am seidenen Faden, jeder Fehltritt konnte das Ende bedeuten. Am schwierigsten war die Aufgabe sicherlich für Luise. Sie war im Endspiel mit L + S gegen das Läuferpaar. Die sehr merkwürdige Bauernstruktur begann sich gerade zu öffnen, was ihrerer Gegnerin wohl zu Gute kam.

Wenig später wurde es noch spannender. Luise hatte mittlerweile eine Stellung erreicht, in der sie mit L + S gerade noch alles halten konnte und ihre Gegnerin sah kein Vorankommen und bot Remis. Da die Mannschaftsleiterin Dasha gerade mit ihrer eigenen Partie sehr beschäftigt war, übernahm Sophie die Aufgabe. Nach ausführlicher Beobachtung der Partien ließ sie es Luise offenen, ob sie annimmt oder weiterspielt. So ausgeglichen und unvorhersehbar waren die Stellungen. Während Luise noch überlegte, verließ ich den Turnierraum, mir wurde es zu spannend, außerdem sollten die Mädchen in Ruhe und unbeobachtet weiterspielen. Während ich noch draußen mit den Eltern saß, kam Sophie zu uns und berichtete von ihrem Sieg. 1:0. Wenig später kamen Luna und Luise raus. Luna hatte gewonnen und Luise Remis gespielt. Damit hatten wir 2,5 Brettpunkte und den Mannschaftswettkampf gewonnen! Deshalb störte es auch nicht, dass sie berichteten, dass Dasha mit einer Leichtfigur weniger gegen einen Bauern auf Verlust stand. So kam es dann auch. 2,5:1,5. Wir schauten dann noch auf die letzte Partie zwischen dem HSK und Papenburg. Diese konnte die HSH-Spielerin gewinnen, womit dieser Wettkampf 2:2 ausging und wir schon vorzeitig zum Norddeutschen Vereinsmeister wurden, da uns beide Teams nicht mehr einholen konnten! Juchu, wir hatten es geschafft!!!

In der letzten Runde gegen Lübeck wollten wir die weiße Weste verteidigen. Dies war einfacher gesagt, als getan. Sophie, die mit Abstand den weitesten Weg zum Spielort hatte, da sie als Teil einer Berliner Mannschaft nicht in der Jugendherberge übernachtete, aber jeden Tag von Strausberg herfahren musste (Notiz an mich selbst: Das müssen wir bei der DVM anders machen), war ziemlich fertig und musste bald eine Niederlage einstecken, während Luna ziemlich bald gewann und damit 5/5 holte. Ich war damit beschäftigt neben eines Schreibens für die Schulbefreiung für unsere Jungen, die am nächsten Wochenende NDVM spielen, auch die Homepage-Berichte zu schreiben und schaute deshalb seltener als sonst bei den Partien vorbei. Als ich dann doch in den Turniersaal, waren die Partien von Dasha und Luise schon weit vorangeschritten. Luises Gegnerin konnte ihren Mehrläufer für den kurz vor der Umwandlung stehenden Bauern abtauschen und hätte dann ein Turmendspiel mit 2 Mehrbauern, es sah also nicht gut aus für Luise. Dasha hatte dagegen eine Qualität mehr. Also „nur“ 2:2? Als ich das nächste Mal im Turniersaal vorbeischaute, sah es ganz anders aus. Luise konnte im Turmendspiel ein Remis erreichen, in dem ihre Gegnerin nur noch einen Mehrbauern hatte, der zudem ein Randbauer war. Dasha musste ihre Qualität mehr zurückgeben und war jetzt mit zwei verbundenen Freibauern, die gefährlich wurden, konfrontiert. Wenig später kam Luise raus auf die Terrasse und hatte ihr Remis in der Tasche. War aber nach einer durchwachsenen Partie mit Fehlern auf beiden Seiten nur teilweise erfreut. Erfreulicherweise hatte sie bei Dasha eine Abwicklung ins gewonnene Bauernendspiel gesehen. So kam es dann auch. Wenig später kam Dasha mit der Erfolgsmeldung von ihrem Sieg heraus. Wir hatten also doch noch 2,5:1,5 (gegen den späteren Tabellenletzten) gewonnen und damit die 10 Mannschaftspunkte erreicht. Ein toller Start-Ziel-Sieg!

Fazit: Bei ihrem ersten Turnier in dieser Mannschaft haben die Mädchen eine tolle Leistung erbracht. Mit 10:0 Mannschaftspunkten haben sie klar das Turnier dominiert und konnten schon eine Runde vor Schluss den Meistertitel erreichen. Damit gehen wir als erster Norddeutscher Vereinsmeister in der Geschichte der neu geschaffenen Altersklasse U16w ein! Die meist knappen Ergebnisse zeigten, dass sich alle Spielerinnen aufeinander verlassen konnten und jede ihren Anteil zum Erfolg beitragen konnte. Unser nächstes Ziel ist dann bei der Deutschen Meisterschaft oben anzugreifen. Besonderen Dank an den Trainer Kristian Dimitrijeski, der die Mädchen toll vorbereitet und motiviert hat! Wir sind übrigens nicht die einzige Mannschaft, die mit 10 Mannschaftspunkten aus 5 Spielen ein perfektes Turnier gespielt hat. In der parallel stattfindenden U12w holte die 1. Mannschaft vom SC Weisse Dame ebenfalls 10 Mannschaftspunkte, also ein klassischer Doppelsieg für Berlin!

Der erste Teil wurde absichtlich aus datenschutzrechtlichen Gründen schwerkenntlich gemacht. Die Auflösung wurde wegen der maximalen Uploadgröße gesenkt.

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