Schnellschachrunde „der besonderen Art“ endet mit Überraschungssieger

Am Freitag fand die erste Qualirunde unserer Schnellschach-VM 2020/21 statt. Insgesamt waren 10 Teilnehmer dabei. Leider waren zu Beginn nur 9 Leute dabei, so dass das Turnier auf 4 Runden gekürzt wurde. Am Ende fehlte somit noch eine Runde mit spannenden Paarungen. Nichtsdestotrotz haben wir einen klaren, ungeschlagenen Sieger. Aber erstmal von vorne:

Im dritten Turnier hintereinander traf ich in der ersten Runde auf den Favoriten Jonas Eilenberg. Dabei kam dieser etwas ins Straucheln. Jedoch nicht, weil ich so gut gespielt habe, sondern weil er nicht zu Hause war uns seine Verbindung gleich am Anfang der Partie unterbrochen wurde. Scheitert damit ein Turniersieg des Favoriten an Verbindungsproblemen? Nein, etwa die Hälfte seiner Bedenkzeit war schon vorbei, als die Verbindung wieder funktionierte. Doch Jonas managte auch das vorbildlich. Als die Umwandlung eines Bauern nicht mehr zu verhindern war, musste ich aufgeben.

Neu dabei war Sven Schüle, der seit langer Zeit wieder ein Online-Turnier spielte. Er gewann in der ersten Runde gegen den talentierten, aber noch unerfahrenen Neuling Philipp Sandlers. Im Duell zwischen zwei Geheimfavoriten Alois Möschl und Kimon Böhmer trennten sich beide im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern Remis.

In der zweiten Runde musste ich dann gegen Kimon ran. Eigentlich nicht erwähnenswert, hätte ich nicht durch eine blöde Eröffnungsfalle einen Turm eingestellt. Kimon setzte dann souverän fort. Als ich das Matt nicht mehr verhindern konnte, gab ich nach kurzem Überlegen auf. Als ich dann wenige Sekunden später nochmal den naheliegendsten Zug prüfte, erkannte ich geschockt ein Dauerschachmotiv, welches mir zumindest einen halben Punkt eingebracht hätte. Im Chat unterhielten wir uns noch kurz darüber. Das darf mir eigentlich nicht passieren. Auch in den anderen Partien gewann jeweils der Favorit. Sven punktete u. a. gegen den Rückkehrer Chris Oesterreich.

Dann in der dritten Runde kam es zum Duell zwischen Sven und Jonas. Es entwickelte sich ein Endspiel mit offenem Schlagabtausch (mit zunächst Mehrfigur für Sven, die er später gegen Bauern opferte), einem wahren Spektakel, welches die anderen Spieler nach Beendigung ihrer eigenen Partien „bewundern“ konnten (Nachschauen auf chess.com lohnt sich!). In hochgradiger Zeitnot passierte Jonas dann ein Fehler und Sven konnte die Partie für sich entscheiden. Genauso überraschend konnte Alois den starken Fabian Schmidt besiegen, indem er im Endspiel den Überblick behielt und einen unaufhaltbaren Freibauern bildete. Nach dieser Runde waren Sven (3/3), Alois (2,5/3), Kimon (2,5/3) und Jonas (2/3) vorne.

Folglich kam es zu Paarungen zwischen Sven und Alois sowie zwischen Jonas und Kimon. Jonas spielte sehr mutig und gab in seiner Partie die Dame für zwei Leichtfiguren und einen Bauern. Aufgrund Jonas‘ Aktivität und seinem sicheren König gab die Engine Ausgleich an. Mit einem hohen positionellen Verständnis spielte Jonas weiter, konnte die Schwachpunkte von Kimon attackieren und genügend Material gewinnen, um die Partie für sich zu entscheiden. In der anderen Partie konnte Alois erst die Oberhand behalten, doch Sven drang gefährlich mit der Dame ein, zwang Alois in die Verteidigung. Doch dann übersah er einen Doppelangriff, der ihn eine Figur kostete, die er zuvor gewonnen hatte. Es entstand ein Doppelturmendspiel mit wenigen Bauern. Ein Remis hätte Sven gereicht. Doch Alois wickelte es in ein Turmendspiel mit zwei verbundenen Freibauern für ihn ab, welches für Sven nicht mehr zu halten war, und wurde damit Turniersieger.

Herzlichen Glückwunsch, Alois!

Verbindungsabbruch, Aufgabe in Remisstellung, Außenseitersiege, packende Duelle um die Spitze: Da soll noch jemand sagen, dass Schach ein langweiliger Sport sei. Dieses Turnier hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Am nächsten Freitag wird dann wieder geblitzt.

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